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Voorde im Laufe der Zeit
Am 1. Oktober 1937 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Voorde und Groß-Flintbek durch eine Regierungs-Verordnung vereinigt. Die Gemeinde führte danach den Namen Groß-Flintbek. Ein Jahr später kam auch die damals noch selbständige Gemeinde Kleinflintbek hinzu. Ab 01.10.1938 wurde für die neu gegründete Großgemeinde der Name Flintbek festgelegt. Aus den Gemeinden Flintbek, Böhnhusen, Techelsdorf und Schönhorst wird 1970 das Amt Flintbek gebildet. Flinbek liegt ca. 10 km südlich von Kiel, der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, an der ehemaligen B 4 Kiel - Hamburg.
Das alte Dorf Voorde, ursprünglich ein kleines Bauerndorf mit nur vier Bauernstellen, lag versteckt in einer Mulde auf einem Höhenzug. Von der heutigen Hamburger Chaussee auf der einen Seite und der heutigen Bahn auf der anderen Seite, waren von diesem alten Dorf, den Blicken entzogen, nur die Firste der Bauernhäuser zu sehen.
Anders wurde dies, als Voorde nach dem Bau der Bahnlinie Altona - Kiel (1845) Bahnstation wurde. Der Bahnhof lag auf der Gemarkung Voorde, unmittelbar an der Grenze zu Großflintbek und erhielt den Namen Voorde, obgleich Großflintbek größer war. Auch das später eingerichtete Postamt erhielt den Namen Voorde. Am Weg von “Altvoorde” zum Bahnhof (Freeweid) entstanden einzelne Geschäftshäuser und Handwerksbetriebe. Das Wiesental der Eider mit seinen bewaldeten Abhängen zog bald mehr Menschen hierher. Menschen, die im leicht erreichbaren Kiel Arbeit fanden, wählten ihren Wohnsitz hier. Vor allen Dingen war es aber eine Schicht wohlhabender älterer Menschen (Pensionäre, ehemalige Gutspächter, Geschäftsleute), die hier ihren Feierabend verleben wollten. Die ehemalige Sandkuhle wurde durch die Bauvorhaben des Fabrikanten Lassen (Lassenweg und Brückenstraße) eine besonders schöne Anlage und trug wesentlich zur Strukturveränderung des Dorfes Voorde bei (1907). So entstand, getrennt vom alten Bauerndorf, eine schöne, gepflegte Villenanlage. Das bäuerliche Element wurde durch diese Entwicklung stark zurükgedrängt. Die finanziell starken, beweglichen und einflußreichen Geschäftsleute und Pensionäre gewannen größeren Einfluß. Sie pflegten den Ort und zeigten sich vielen Neuerungen aufgeschlossen. So erhielt das Dorf Voorde schon vor der Jahrhundertwende ein Elektrizitätswerk und die Lassenhäuser eine zentrale Wasserversorgung, die noch 1951 in Betrieb war.
Der Name “Voorde” (in alten Urkunden auch Fuhrde, Vörde, Foort) ist eindeutig. Er ist abgeleitet von Furt, Durchgang durch ein Gewässer. Hier, Durchgang durch die Eider. Die ursprüngliche Furt lag am Ende des Eiderholzes, wo das Eidertal sich stark verengt und die Höhen beiderseits bis auf wenige Meter an die Ufer der Eider heranreichen. In dem langen Tal von der Schmalstedter Mühle bis zum Schulensee war hier die einzige Stelle, wo der sonst moorige und sumpfige Untergrund kiesig und fest, das Tal schmal war. Nur hier war ein Durchgang möglich. Hier war die Furt und damit auch die ersten Siedlungen. Der Flurname “Wührden” der angrenzenden Koppeln bestätigt dies. Nach der Flurnamenforschung weist der Name Wührden immer auf die ersten Siedlungen hin.
Die geologische und landschaftliche Beschaffenheit des Gemeindegebietes ist in der Grund- und Bodenbildung auf Gletscherüberlagerungen der letzten Vereisung vor rund 20.000 Jahren zurückzuführen. Das Eidertal selbst ist ein gewaltiges Tunneltal. Am Ende der letzten Eiszeit sammelten sich infolge der steigenden Temperatur gewaltige Wassermassen am Grunde der immerhin noch 200 bis 300 Meter mächtigen Gletscher. Durch Risse und Spalten fanden sie den Weg zum Grunde des Gletschers. Unter dem Eis gruben sie sich einen Weg nach Süden, ein Urstromtal (Tunneltal) entstand. Rest dieses alten Tunneltales sind der jetzige Kieler Hafen, der Drachensee, der Schulensee, das Eidertal, der Schmalstedter Mühlenteich, der Bordesholmer und der Einfelder See. Als dann nach tausenden von Jahren die Eider sich einen Weg in entgegengesetzter Richtung suchte, fand sie ihr Tal schon fertig vor. Für ihre geringen Wassermassen war es allerdings viel zu breit und gewaltig. Wie ein schmaler Streif schlängelt sie sich heute durch das breite, grüne Tal. In den Kieler Hafen konnte sie jedoch nicht. Die Vieburger Berge und der Hornheimer Riegel versperrten ihr den Weg.
Vorhandene Urkunden reden von Adeligen, Ritter, Knappen und Herren als Besitzer des Dorfes Voorde. Im Jahre 1238 schenkte der Graf Adolf dem Kloster Neumünster das Dorf Voorde. In zwei Urkunden von 1340 und 1351 erfährt man, daß in Voorde eine “Curia” war. Eine Curia war der Wohnsitz eines Adeligen. Der Standort dieser Curia, ein Schloß, wird auf der Hauskoppel des Bauern Boysen vermutet. Der damalige Besitzer, Knappe Konrad Walstorp, verpfändete das Dorf für 500 Mark an die Gebrüder Otto und Wulf von Schmalstede. 1351 verkauften diese das Dorf an den Knappen Klaus Spliet mit der Maßgabe, daß er dem Kloster Bordesholm jährlich 7 Mark aus der Voorder Mühle zu zahlen habe. 1434 verkaufte Marquard Wulf von Knoop das Dorf Voorde mit der Mühle dem Kloster Bordesholm. Als Voorde in den Besitz des Klosters überging, brach für die Bürger wahrscheinlich eine bessere Zeit an. Sie waren wohl noch untertan, aber die Zeit der Willkürherrschaft war vorbei. Das Kloster verlangte zwar auch Abgaben, da aber der Landbesitz sehr groß war (von Kiel bis Neumünster), waren die Abgaben nur gering und leicht tragbar. Oft erwähnt wird immer die Wassermühle. Schon 1220 bestand sie. Also schon 100 Jahre vor der Verlegung des Klosters von Neumünster nach Bordesholm. Sie muß ein besonders wertvoller Besitz gewesen sein. Zu ihr gehörte ein umfangreicher Landbesitz und war vom Kloster mit vielen Gerechtsamen und Privilegien ausgestattet.
Geblieben ist heute innerhalb der Gemeinde Flintbek der Ortsteil Voorde. Von dem gesamten Gemeindegebiet von 1.756 ha nimmt der Ortsteil Voorde 375 ha ein, ca. 1.300 Einwohner leben heute hier . Vorhanden sind nach wie vor die Lassenhäuser und die großen Villen.
Geblieben ist auch seit nunmehr über 120 Jahren die Freiwillige Feuerwehr Voorde (somit besteht sie fast 50 Jahre länger als die heutige politische Gemeinde Flintbek). Bericht: Martin Postler
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